novemberKIND

  Startseite
    'bout
    zeitGEIST
    gedICHtet
    schnellbus 343
    emotIKON
    zoon politikon
    projekt: leblos
    projekt: the best
    und sonst
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Freunde
    verwirrteskind
    - mehr Freunde




  Links
   du bist nicht allein!
   politik zum mitmachen!
   dü Vera
   ja, nina
   die T!Ni ihr blog
   novemberKIND



http://myblog.de/enfant-novembre

Gratis bloggen bei
myblog.de





10 - bahnhof

Türen auf.
Die schwarzweiß gekleidete Anonymität schiebt sich hinten aus dem Bus, während vorne eine Traube von Menschen sich vor den Türen quetscht. Nur langsam wird die Haltestelle leerer und der Bus füllt sich mit Leben; Leben, wie es auch draußen auf den Bus- und Bahnsteigen tobt.
Man kann es kaum glauben, dass hier so viel los ist, aber die Menschen kommen und gehen, rauschen aneinander vorbei, die eine hat eine Aktentasche, der andere einen Jutebeutel, hier springt einer durch die Menge, weil er seinen Zug noch erwischen will, bevor er ohne ihn abfährt, dort schlurft eine andere auf ihren Stock gestützt langsam zum Bussteig, um sich dort auf der hölzernen Bank niederlassen zu können. Und irgendwo inmitten des Getümmels, das solche einer kleinen Stadt schön übermächtig groß erscheint, steht sie.
Dana. Dana Moreau. Sie steht einfach dort, als könnte sie nichts berühren. Und doch hält sie alles fest, was um ihren Standpunkt wirbelt und ihr den Horizont ständig in Bewegung erscheinen lässt.
Auf einem Blatt Papier.
Tür zu.
Jean muss schmunzeln. Erst neulich, er erinnert sich, stand Dana vorne bei ihm, dem Fahrer, in der Tür, der Bus fuhr ab und egal, was auch passierte, welches Schlagloch die Passagiere erzittern ließ, sie bewegte sich keinen Millimeter und malte, was sie nur zu malen gedachte.
Das Bild,, denkt Jean bei sich, das Bild habe ich nie gesehen. Aber es muss bestimmt schön sein.
Er drückt ein paar Knöpfe, dreht an ein paar Reglern und ein elektrisches Sirren und Summen wird lauter und mit einem leisen Zischen entweicht andächtig wohl temperierte Luft den mannigfaltig verteilten Düsen und hält die Temperatur der Luft im Bus konstant bei zwanzig Grad Celsius. Es wird heute schnell warm, und die Nacht war nicht kalt.
Ein kurzes Verschnaufen, Ruhe im Trubel.
Jean genießt den Augenblick und schaut verträumt in Danas Richtung, als ihm jemand ein Ticket ins Blickfeld hält.
Danke., sagt Jean und lächelt. Nicht aus Gewohnheit oder weil es sich so gehören sollte. Er lächelt, weil er sich freut, dem Mann etwas Gutes tun zu können, wenn er ihn zu seinem Ziel fährt – auch wenn es diesem vielleicht gar nicht so bewusst sein mag.
Türen zu.
Ach, ach., ächzt der Mann, nicht mehr der Jüngste. Er sieht aus wie längst pensioniert, aber arbeiten muss er noch und an jedem neuen Tag sieht er abgehetzter aus. Der Sitz knackt und zittert, als der Mann sich in ihn plumpsen lässt. Die Studentin neben ihm rückt ein wenig näher an das Fenster.
Ach, diese ganzen Föderalismus-Reformer, was das für ein Stress ist., keucht der Mann. Und das nur damit der Wähler zufrieden ist. Er schnaubt verächtlich. Wer wählt denn noch? Und dann diese ganzen Reförmchen … was wir brauchen, ist einer, der es anpackt und einfach mal aufräumt.
Bitte?, fragt die Studentin und blickt entsetzt. Sie rutscht weiter von dem Mann weg und wendet sich ihm zu.
Ja, ist doch wahr!, entfährt es dem künftigen Pensionär. Wir brauchen einen Macher, der den Weg bestimmt und dann wird’s so gemacht. Keine elenden Diskussionen mehr.
Das hatten wir schon, vor gut siebzig Jahren., entgegnet die Studentin. Am Schluss hatten wir in Deutschland vierzig Millionen Tote.
Also, das ist doch was ganz Anderes. Immerhin hat Adolf den Leuten Sicherheit gegeben – und die Autobahnen hat er auch gebaut!
So einen Blödsinn,, erwidert die Studentin betont sachlich, habe ich selten zuvor gehört. Da war man doch nur sicher, wenn man tat, was der Führer wollte – und sei es, dass man andere dem Tod auslieferte. Und Autobahnen?
Der Mann nickt zustimmend.
Schwachsinn., kommt es trocken von der jungen Frau. Die Autobahn war der AVUS – und der wurde 1929 gebaut, vor Hitler. Hitler ließ nur die A1 bauen – und die Arbeitslosen lieferten dem Krieg die Waffen.
Nächster Halt: Ostfriedhof.
22.9.06 09:04
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung