novemberKIND

  Startseite
    'bout
    zeitGEIST
    gedICHtet
    schnellbus 343
    emotIKON
    zoon politikon
    projekt: leblos
    projekt: the best
    und sonst
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Freunde
    verwirrteskind
    - mehr Freunde




  Links
   du bist nicht allein!
   politik zum mitmachen!
   dü Vera
   ja, nina
   die T!Ni ihr blog
   novemberKIND



http://myblog.de/enfant-novembre

Gratis bloggen bei
myblog.de





fragment 3 - NACH 1, VOR 2

Genervt schlug Jonathan die Augen auf. Erneut hatte er eine Nacht ohne Schlaf verbracht. Nicht, dass er Alpträume gehabt hätte, nein, er hatte schlicht und ergreifend nicht einmal zur Ruhe kommen können - und selbst die Müdigkeit, die ihn seit Tagen begleitete, hatte die innere Unruhe und Rastlosigkeit nicht bezwingen können.
Um ihn herum war es Nacht. Das grün illuminierte Glasdach des Busbahnhofes, unter dem er auf einer Bank genächtigt hatte, hielt den Nieselregen auf dem Weg zum Erdboden auf, hatte Jonathan eine trockene Übernachtung im Großstadtdschungel gewährt.
Es war nicht kalt. Nicht kalt genug, um zu erfrieren. Aber kalt genug, dass Jonathan seinen Odem entweichen sehen konnte, kalt genug, dass er erbärmlich fror in seinem dünnen, grünen Baumwoll-T-Shirt.
Die Sonne war noch nicht aufgegangen, es musste wohl kurz nach vier Uhr am Morgen sein, denn als der Busfahrer den Motor gestartet hatte, hatte Jonathan die Augen geöffnet. Und nun rollte der Bus langsam laut schnaubend von der soeben auf Grün umgesprungenen Ampel.
Ein neuer Arbeitstag hatte begonnen.
Jonathan stand gemächlich auf, so schnell es ihm seine unterkühlten, zusammengezogenen Muskeln erlaubten. Er bibberte am ganzen Körper und eine ausgeprägte Gänsehaut zierte seine Arme.
Er wandte sich nach rechts, schlich steif über den Zebrastreifen auf das Bahnhofsgebäude zu und schob die schwere gläserne Tür vor, um sich Eintritt zu verschaffen in dieses nur wenig wärmere Drehkreuz der Bahnreisenden. Er spürte nicht einmal, wie kalt die metallenen Türstangen waren, das Gefühl in den Fingern hatte er mit dem Anbruch der Nacht verloren.
Das erbärmliche Knurren seines Magens ignorierte Jonathan. So sehr es auch an seinen Kräften zehren würde, er wollte in Bewegung bleiben, wollte nicht erstarren, wollte den beißenden Schmerz der Nadelstiche auf seiner Haut verdrängen, ihn austauschen durch den wohl warmen, pochenden Schmerz ausgelaugter Muskeln.
Warum, verdammt, bin ich eigentlich hier?, dachte er, Und warum weiß ich nicht warum?
"Warum?"
Das Echo hallte von den Wänden wider, einzelne Wortfetzen drangen erneut und erneut an sein Ohr.
Warum nur?
Jonathan seufzte lautlos und sehnsüchtig wandte er seinen Blick zur großen Uhr, die an der einzigen Wand ohne Durchgang hing.
Ach, mochte doch die Zeit vergehen.
24.12.06 03:58
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung