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zoon politikon

wetterkapriolen

ziehen wir doch einmal bilanz für 2007: wir hatten bisher einen schweren sturm mit vielen verwüstungen, viel zu hohe temperaturen, einen verspäteten wintereinbruch. was uns noch fehlt: übermäßige regenergüsse mit überschwemmungen, deichbrüche an oder und rhein und eine hitzewelle. aber das kommt auch noch.
wir merken: das klima spielt verrückt. und selbst frau merkel als cdu-parteimitglied und bundeskanzlerin hat erkannt: die umwelt ist ein wert, den wir schützen müssen.
das hingegen haben gewisse personen in der (energie-)wirtschaft wohl noch nicht so erkannt und drum bauen sie weiter kohlekraftwerke - statt atomkraft, sagen sie - und produzieren weiter autos, mit denen sie ihr sich selbst gesteckte ziel (einer selbstverpflichtung hatten sie sich unterworfen, um einem gesetz zu entgehen) von durchschnittlich 140 gramm kohlendioxid pro kilometer nicht erreichen können - weil die bösen leistungsgierigen kundInnen es so wollen, sagen sie.
nun, da ihnen, den autoherstellern, der hintern heiß gemacht werden soll in form eines gesetzes, laut dem sie bis 2010 nur noch 120 gramm pro kilometer ausstoßen dürfen sollen, laufen sie sturm und mithilfe eines gnädigen eu-wirtschaftskommissars namens günter verheugen wollen sie gnädigere regelungen ... und nicht nur sie, die autobauer sondern auch andere teile der wirtschaft. ziel ist die festschreibung deutlich lascherer klimaschutzziele.

mal ein paar fakten zwischendurch - und man sollte dazu sagen, dass ich auto sehr mag: in deutschland gab es im jahr 2006 3.467.961 pkw-neuzulassungen, davon entfielen 1.926.176 (oder auch 55,5%) auf die fünf größten hersteller (vw, mercedes, opel, bmw, audi). diese bieten 2007 zusammen 1099 modelle an (motor- und karosserievariationen mitgerechnet, ausstattungsvarianten und sondermodelle nicht gezählt, zudem davon ausgehend, dass sie ihrer selbstverpflichtung folgen und somit der co2-ausstoß geringer wird). von diesen 1099 modellen erfüllen nur 51 die eigene vorgabe; sie verbrauchen weniger bzw exakt 140 gramm kohlenstoffdioxid pro kilometer. die andere 1046 modelle stoßen hingegen deutlich mehr co2 aus. die beste quote hat noch opel mit 18 von 140 modellen, am schlechtesten schneidet bmw mit EINEM von 284 modelle ab - und das ist wohlgemerkt der mini one diesel!

nur so am rande eine kleine übersicht über jeweils das modell dieser hersteller mit dem höchsten co2-ausstoß
1. mercedes g 500 cabrio (400 g/km)
2. vw touareg w12 (382 g/km)
3. bmw m5 & m6 (357 g/km)
4. audi a8 w12 quattro (353 g/km)
5. opel antara 3.2 v6 (278 g/km)

den geringsten co2-ausstoß eines vollwertigen autos (4 sitze!) hat übrigens der toyota prius (104 g/km), den höchsten der bentley arnage (495 g/km).

aber genug der fakten, ziehen wir schlüsse! eine freiwillige selbstverpflichtung scheint nicht zu wirken. dagegen hilft dann wohl nur der zwang in form eines gesetzes bzw. einer eu-vorschrift. was diese freiwillige selbstverpflichtung auch zeigt: die autoindustrie tut, was sie am besten kann: blockieren, wie schon bei der einführung bleifreien benzins, des katalysators und einer regelung für rußpartikelfilter.
wenn nun selbst der wirtschaftskommissar verheugen um milde bittet, weil er große verluste und eine gefahr für den wirtschaftsstandort europa bzw vor allem deutschland (deutsche autos würden ja unbezahlbar! [achtung, sarkasmus!]) sieht ... dann fällt mir nichts mehr ein.

so wie es scheint, brauchen wir eine verbindliche norm, die eine reduzierung des kohlenstoffdioxidausstoßes herbeiführt und dieser auch einen zielwert festsetzt.
sei es nun eine strafsteuer für besonders schädliche autos in form eines pauschalbetrages oder eine andere maßnahme - sie allein wird nichts bringen.

ich habe so grob konzeptioniert einen anderen vorschlag:
- zunächst zahlen die hersteller pro gramm co2 pro VERKAUFTEM wagen einen betrag (sagen wir, bei einem ausstoß von 140 gramm pro kilometer zahlt er nichts, pro gramm weniger bekommt er 100 euro zuschuss, pro gramm mehr zahlt er 100 euro - und das für jedes verkaufte modell). damit würden die hersteller dazu animiert, den co2-ausstoß zu reduzieren.
- dann geht es an die autofahrerInnen: eine hubraumabhängige kraftfahrzeugsteuer bringt uns nicht weiter in zeiten des downsizings (in denen kleinvolumige motoren mit turboladern und kompressoren zu spritschluckern werden vergleichbar fahrzeugen mit großem hubraum), daher bevorzuge ich eine umschlagung der kfz-steuer auf zwei säulen. einerseits wird die kfz-steuer auf den kraftstoff umgeschlagen - und zudem kommt pro kilometer fahrleistung eine pauschale auf, die wieder vom co2-ausstoß abhängig ist, vergleichbar zu der maßnahme bei den herstellern, nur mit geringeren beträgen (pro gramm abweichung von den 140 g/km werden 0,1 cent pro gefahrenem kilometer berechnet - wer weniger verbraucht, bekommt natürlich geld erstattet). der weg über die fahrleistung ist deshalb gewählt, um dem tanktourismus an den grenzen keinen aufschwung zu schaffen, der entstünde, wenn die gesamte kfz-steuer in den kraftstoff umgeschlagen würde. zudem ist diese variante ein gezieltes steuerungsinstrument, die kilometerleistung zu senken und die menschen zu motivieren, mehr öffentliche verkehrsmittel zu nutzen.
WORAN DIESES KONZEPT MOMENTAN NOCH SCHEITERN WÜRDE:
1. es ist nur ein konzept und somit wenig konkret
2. der öpnv ist momentan nicht in der lage, einen adäquaten ersatz zum individualverkehr darzustellen
3. das konzept ist bei der derzeitigen denke diverser interessengruppen wenig konsensfähig.

WARUM DIESES KONZEPT EIN ERFOLG WIRD:
1. es animiert die hersteller, schadstoffärmere autos zu bauen und die menschen, solche fahrzeuge auch zu kaufen
2. es reduziert die gefahrenen kilometer und senkt somit weiter den co2-ausstoß
3. es fordert die menschen, die fahren müssen, auf, ihr fahrverhalten anzupassen
4. es stärkt den öpnv und verlangt ihm zugleich ab, eine struktur zu bilden, die den individualverkehr ersetzt
5. es dient der umwelt

NOCH OFFENE FRAGEN:
- was machen besitzerInnen von oldtimern oder (jungen) gebrauchtwagen, die sich keine neuen fahrzeuge leisten können oder wollen?
- wer hilft mir, das konzept ein wenig auszuarbeiten?

nu. so weit, so ... ahja. bon. ... sicher, eine reform der autoindustrie ist nur EIN beitrag und sicherlich reicht er nicht aus, um den klimawandel nennenswert positiv zu beeinflussen - aber ich denke, wer den widerstand dieses industriezweigs bricht, bzw. dort ein umdenken herbeiführen kann, der hat ein signal gesetzt, welches künftige maßnahmen in anderen industriesektoren positiv beeinflussen kann. es ist sicherlich nicht viel, aber doch wenigstens etwas - und gerade, weil es etwas ist, sollte wir es anpacken.
denn ich will meinen (bei aktueller gesetzeslage nie kommenden) enkeln eine welt hinterlassen, die nicht schlechter ist als die, in der ich leben darf.

schalom und danke für die aufmerksamkeit!
26.1.07 22:04


der herr köhler ...

man soll es nicht glauben: unser bundespräsident tritt mal in erscheinung. und das nicht durch ungelenke reden.
nein.
er schaut der bundesregierung sehr aufmerksam auf die finger und schimpft mit ihr, weil sie gesetze durchgehen lässt, denen das grundgesetz egal ist.
dafür bekommt der horst schimpfe.
SO hatten sich die granden der cdu und mittlerweile auch spd den netten, schüchternen, verbal eher zurückhaltenden herrn köhler nicht gewünscht. und manche sagen, er solle doch einfach auf das abnicken irgendwelcher gesetze beschränken.
tut er aber nicht; er nimmt seine aufgabe ernst.
ein denkendes staatsoberhaupt! DANKE. warum soll denn erst umständlich das bundesverfassungsgericht beauftragt werden und ein monatelanges, teures verfahren laufen lassen, wenn der bundeshorst mit seinen leuten schon vorher sagen kann "so nicht!" ... das spart geld und zeit - und außerdem zeigt es der regierung, dass sie sich mehr mühe geben sollte und mal gute gesetze machen sollte.
in diesem sinne: frohe weihnachten, herr köhler! sie machen ihre sache gut. bleiben sie stark!
24.12.06 03:37





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